Keine Erinnerungs- und Gedenkkultur ohne Verfolgtenverbände
Verfolgtenorganisationen kämpfen gemeinsam für die Inklusion in der
Erinnerungs- und Gedenkarbeit in Rheinland-Pfalz

Trier, 24.01.2024 – Der rheinland-Pfälzische Landesverband Deutscher Sinti und Roma veranstaltete gestern gemeinsam mit der Jüdischen Kultusgemeinde und QueerNet Rheinland-Pfalz eine Podiumsdiskussion in der jüdischen Synagoge Trier. Die Teilnehmer des Podiums waren Jacques Delfeld Sr., 1. Vorsitzender des rheinland-pfälzischen Landesverbands Deutscher Sinti und Roma, Joachim Schulte, Sprecher von QueerNet RLP und Jeanne Bakal, 1. Vorsitzende der jüdischen Kultusgemeinde Trier. Moderiert wurde die Diskussion von Vincent Maron, Geschäftsführer von SCHMIT-Z e.V.

Die Podiumsteilnehmer sprachen gemeinsam über die Zukunft der Erinnerungskultur in Rheinland-Pfalz. Dabei wurde deutlich, dass die Verfolgtenverbände die Sorge teilen, künftig nicht mehr als gleichwertige und gleichberechtigte Akteure in der Erinnerungs- und Gedenkarbeit zu gelten. Sie kritisierten auch den Umstand, dass es in der gegenwärtigen Erinnerungskultur die Tendenz gebe, ausschließlich auf das Gedenken von NS-Opfer abzustellen. Vor dem Hintergrund, dass es unmittelbar nach dem Krieg noch viele ideologische und personelle Kontinuitäten in der Verwaltung, Justiz und Gesellschaft gegeben habe, sei der Umgang der Nachkriegsgesellschaft mit der eigenen NS-Geschichte ebenfalls ein zentraler Aspekt. „Täter erlangten direkt nach dem Krieg in mehrfacher Hinsicht wieder Deutungsmacht. Sie setzten nicht nur die NS-Narrative in der Entschädigungsarbeit fort, sondern prägten auch noch Jahrzehnte nach Kriegsende die Meinungsbildung im öffentlichen Diskurs“, so der Vorsitzende des rheinland-pfälzischen Landesverbandes Jacques Delfeld Sr..

Die 1. Vorsitzende der Jüdischen Kultusgemeinde Jeanne Bakal betonte, dass insbesondere Juden und Sinti und Roma über viele Jahrhunderte ein ähnliches Schicksal geteilt hätten. Bedingt durch antisemitische und antiziganistische Erzählungen würden diese auf eine lange Tradition von Verfolgung, Ausgrenzung und Diskriminierung zurückblicken.

„Neben den bereits genannten Opfergruppen gehörten regelmäßig auch queere Menschen, politisch Verfolgte, sog. Euthanasieopfer und andere zu den Verfolgten. Sie alle wurden damals aus der sog. „Volksgemeinschaft“ ausgestoßen. Wir stellen eine Kontinuität der Verfolgung in der Bundesrepublik fest, bei queeren Menschen nach dem § 175 in der von der NS-Diktatur verschärften Fassung- teilweise verurteilt von denselben Richtern. Es gab keine Stunde Null, der Ausschluss der Verfolgtenorganisationen wiederholt die Lüge der Bundesrepublik, wenn es heute darum geht davon zu reden, dass die „Zeitzeug*innen“ sterben. Verfolgtenverbände kennen die Kontinuität. Ihre Zeitzeug*innenschaft, ihre Erfahrungen, Expertisen und Perspektiven sind unersetzbar. Es darf keine Erinnerungs- und Gedenkarbeit ohne die strukturelle Einbeziehung der Verfolgtenvertretungen geben.“, so der Sprecher von QueerNet Rheinland-Pfalz Joachim Schulte.

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Kontakt

Aaron Weiss
Beratung, Antirassismus-, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Verband Deutscher Sinti und Roma Landesverband Rheinland-Pfalz
Schloßstr. 4 4
76829 Landau

Tel.: 06341-850 53
E-Mail: aaron.weiss@vdsr-rlp.de

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